Es gibt Staedte, die sich wie Buecher lesen, und Staedte, die sich wie Lieder anfuehlen. Porto ist ein Lied. Eine Melodie, die gleichzeitig melancholisch und lichtdurchflutet ist, gewoben aus mit Azulejos verkleideten Fassaden, aus Wein, der in jahrhundertealten Kellern reift, und aus einem Fluss, der alles umarmt. Wenn Lissabon die elegante, weltgewandte grosse Schwester ist, dann ist Porto die Schwester mit Charakter: rauer, intensiver, echter. Und heute moechte ich dir erzaehlen, warum sich diese Stadt im Norden Portugals in die Haut jedes Besuchers einbrennt.
Die Azulejos: die Kunst, die die Stadt kleidet
Das Erste, was in Porto ins Auge faellt, sind die Azulejos. Sie sind ueberall: an Kirchen, Bahnhoefen, Hausfassaden, Maerkten und sogar im Inneren von Restaurants. Sie sind keine einfachen Dekorfliesen -- sie sind die visuelle Sprache Portugals, und in Porto wird diese Sprache mit einer Beredsamkeit gesprochen, die du nirgendwo sonst auf der Welt findest.
Das Epizentrum ist der Bahnhof Sao Bento. Tritt ein und schau nach oben: 20.000 handbemaltete Azulejos von Jorge Colaco, geschaffen zwischen 1905 und 1916, erzaehlen die Geschichte Portugals, von mittelalterlichen Schlachten bis zu Szenen des Landlebens. Es ist ein Bahnhof, ja, aber auch eines der schoensten Museen des Landes, und der Eintritt ist frei.
Von dort geh die Rua das Flores entlang zur Igreja do Carmo, deren Seitenfassade ein Wandbild aus blauen und weissen Azulejos ist, das die Gruendung des Karmeliterordens darstellt. Daneben steht die Igreja dos Carmelitas, und zwischen beiden Kirchen befindet sich eines der schmalsten Haeuser Portugals: kaum einen Meter breit, gebaut damit Moenche und Nonnen sich nicht sehen konnten.
Das Erlebnis Azulejos und Wein taucht dich ein in dieses keramische Universum und verbindet die Meisterwerke der Azulejo-Kunst mit Verkostungen in den Kellern von Vila Nova de Gaia. Es ist der vollstaendigste Weg zu verstehen, warum Kunst und Wein in dieser Stadt untrennbar sind.
Ein weiteres Muss ist die Capela das Almas in der Rua de Santa Catarina. Ihre Fassade ist mit fast 16.000 Azulejos bedeckt, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Franz von Assisi und der Heiligen Katharina zeigen. Am fruehen Morgen, wenn das Sonnenlicht auf sie faellt, scheinen sie zum Leben zu erwachen.
Portwein: eine Reise zur Seele der Ribeira
Porto laesst sich nicht verstehen ohne den Wein, der seinen Namen traegt. Portwein entsteht an den steilen Haengen des Douro-Tals, etwa 100 Kilometer flussaufwaerts, und reift in den Kellern von Vila Nova de Gaia, gegenueber der Altstadt am anderen Flussufer.
Ueberquere die Ponte de Dom Luis I, die ikonische Eisenkonstruktion eines Schuelers von Gustave Eiffel, und geh die steilen Gassen von Gaia hinunter zu den Kellern. Graham's bietet spektakulaere Ausblicke von seiner Terrasse und Verkostungen ab 15 EUR. Sandeman, erkennbar am Logo des Mannes im schwarzen Umhang, ist ein weiterer Klassiker (Fuehrung ab 17 EUR). Fuer etwas Intimeres bietet Ramos Pinto personalisierte Touren und ein faszinierendes Museum mit Jugendstilplakaten.
Doch das wahre Vergnuegen besteht darin, bei Sonnenuntergang auf der Terrasse irgendeines Kellers zu sitzen, mit einem Glas 10-jaehrigem Tawny in der Hand (5-7 EUR), und zuzusehen, wie die Sonne die Fassaden der Ribeira am anderen Ufer orange faerbt. Es ist einer jener Momente, die eine ganze Reise rechtfertigen.
Die Ribeira: lebendiges Welterbe am Fluss
Die Ribeira, das historische Viertel, das zum Douro hinabfaellt, ist UNESCO-Welterbe, und man spuert es. Schmale, bunte Haeuser stapeln sich uebereinander wie ein vertikales Puzzle, Waesche haengt zwischen Balkonen und Fado-Klaenge dringen aus offenen Fenstern.
Schlendere am Cais da Ribeira entlang, dem Uferkai, wo Restaurants ihre Terrassen in die Sonne stellen und Strassenkuenstler portugiesische Musik spielen. Die Atmosphaere ist entspannt, fast zeitlos. Eine Francesinha (Portos herzhaftes ueberbackenes Sandwich mit Fleisch, Wurst, Kaese und scharfer Sauce) kostet hier 10-14 EUR in Lokalen wie dem Cafe Santiago oder dem Bufete Fase.
Das Erlebnis Vom Markt zum Keller verbindet Portos Gastronomie mit seiner Weinbautradition, von den Staenden des Mercado do Bolhao bis zu den Kellern von Gaia. Wenn du Porto ueber seinen Gaumen verstehen willst, ist dies dein Erlebnis.
Von der Ribeira aus steige die Treppen hinauf (oder nimm den Funicular dos Guindais, 2,50 EUR) zur Kathedrale von Porto (Se do Porto), einer romanischen Festung aus dem 12. Jahrhundert, die die Stadt ueberragt. Die Aussicht vom Mirador neben der Kathedrale gehoert zu den besten in Porto, und der Eintritt zum gotischen Kreuzgang mit Azulejos aus dem 18. Jahrhundert kostet nur 3 EUR.
Rua de Santa Catarina und das Majestic
Wenn du eine Verschnaufpause vom Kulturerbe brauchst, ist die Rua de Santa Catarina Portos Haupteinkaufsstrasse. Eine Fussgaengerzone, die lokale Geschaefte, internationale Ketten und vor allem das Cafe Majestic (Rua de Santa Catarina 112) vereint. 1921 gegruendet, ist sein Jugendstil-Interieur mit Spiegeln, Holzschnitzereien und Kristallluestern purer Luxus einer anderen Zeit. Ein Kaffee kostet 4 EUR, aber du zahlst ebenso fuer die Geschichte wie fuer das Getraenk. Man sagt, J.K. Rowling habe an diesen Tischen Teile von Harry Potter geschrieben, als sie in Porto lebte.
Wenn dich die Buchhandlung interessiert, die Hogwarts inspiriert hat: Die Livraria Lello ist nur wenige Gehminuten entfernt (Rua das Carmelitas 144). Der Eintritt betraegt 8 EUR, anrechenbar auf einen Buchkauf. Die zentrale Treppe ist spektakulaer, aber bereite dich auf Warteschlangen vor.
Der Douro: das Rueckgrat von allem
Der Douro ist nicht nur Landschaft: Er ist Portos Daseinsberechtigung. Auf ihm kamen die mit Wein beladenen Rabelo-Boote aus dem Hinterland, und an seinen Ufern wuchs eine Stadt, die zwischen Nostalgie und Neuerfindung lebt.
Das Erlebnis Douro-Tal fuehrt dich flussaufwaerts, wo Weinberge auf unmoeglich steilen Terrassen eine der schoensten Landschaften Europas zeichnen. Wenn du Zeit fuer einen halben Tag hast, ist es eines der unvergesslichsten Erlebnisse, die Portugal zu bieten hat.
Fuer eine urbanere Version nimm eine Sechs-Bruecken-Kreuzfahrt (15-18 EUR, eine Stunde) auf dem Douro ab der Ribeira. Du siehst die sechs Bruecken, die Porto und Gaia verbinden, jede mit ihrer eigenen Geschichte und Persoenlichkeit. Die beste Zeit ist am Nachmittag, wenn goldenes Licht den Fluss in einen Spiegel verwandelt.
Tipps fuer dein Porto-Erlebnis
Transport: Das historische Zentrum laesst sich zu Fuss erkunden, aber die Huegel haben es in sich. Trage bequeme Schuhe. Die Metro (Linie D, gelbe Zone) verbindet den Flughafen in 30 Minuten mit dem Zentrum. Die aufladbare Andante-Karte kostet 0,60 EUR plus Fahrt. Budget: Porto ist erschwinglicher als Lissabon. Ein vollstaendiges Mittagessen mit Wein in einem lokalen Restaurant kostet 12-18 EUR. Eine Kellerverkostung 15-25 EUR. Die Francesinha, das Nationalgericht, 10-14 EUR. Beste Reisezeit: Mai bis Oktober. Juli und August sind die heissesten Monate (bis 35 Grad), aber die Abende am Fluss entschaedigen. September ist der perfekte Monat: gutes Wetter, weniger Touristen und Weinlesezeit im Douro.Porto ist eine dieser Staedte, die nicht versucht, dich zu beeindrucken: Sie tut es einfach. Mit ihren Azulejos, die Geschichten erzaehlen, ihrem Wein, der Erinnerungen bewahrt, und einem Fluss, der mit derselben Ruhe fliesst wie eh und je. Komm nach Porto und lass dich von der Stadt umarmen. Du musst die Schoenheit nicht suchen: Sie wird dich finden.


